aura calculata

auracalculata

Nomination

Tim Otto Roth

Die kinetische Skulptur aura calculata erzeugt durch die Variation des Wasserstandes in 18 transparenten Orgelpfeifen aus Acrylglas einen kontinuierlich sich verändernden mikrotonalen Klangteppich. Das dreieckige Wachstumsmuster der Schale einer Pazifik-Muschel, die in einer separaten Säule ausgestellt ist, veranschaulicht das dieser Skulptur zugrunde liegende Prinzip: Die Töne werden ohne jede zentrale Steuerung, einfach durch die musikalische Adaption des Selbstorganisationsprinzips zellulärer Automaten erzeugt. Jede Orgelpfeife ist mit einer eigenen Elektronik ausgestattet, die erkennt, ob die unmittelbaren Nachbarn ertönen oder nicht. Ähnlich wie bei der La-Ola-Welle in einem Fußballstadion geben einfache Nachbarschaftsregeln vor, wann die kreisförmig arrangierten Orgelpfeifen aktiv werden und wie sie auf die eigene Aktivität und jene ihrer Nachbarn reagieren.

Wird eine Orgelpfeife aktiv, öffnet sich das Luftventil. Die Tonhöhe korreliert mit der Regelung des Wasserdurchflusses, das Steigen und Fallen der Wassersäule ist wiederum davon abhängig, wie aktiv eine Orgelpfeife zuletzt war. Dadurch verändert sich nicht nur die Tonhöhe im Bereich von mehr als einer Oktave, sondern auch die Klangfarbe.

Credits

Tim Otto Roth (DE), geboren 1974 in Oppenau/Schwarzwald, ist Konzeptkünstler und Komponist und für seine groß angelegten Installationen im öffentlichen Raum bekannt, die häufig in Kooperation mit führenden wissenschaftlichen Institutionen auf der ganzen Welt entstehen. Die Bedeutung des Raumes zieht sich wie ein roter Faden durch sein Werk. In der projektiven Übertragung von Objekten in Schatten, durch die Kreation von Klangräumen, die den Raum als Synthesizer nutzen, oder durch künstlerische Auseinandersetzung mit seiner Faszination für den Nachthimmel erkundet er den Raum auf unterschiedlichste Weise. Die meisten Arbeiten Roths lassen sich als Plädoyer für eine „Physik der Kunst“ betrachten. Es geht ihm dabei nicht zuletzt um eine materielle Rückversicherung von Phänomen, da dem Physikalischen stets eine physische, körperliche Komponente innewohnt.